Gedenkstätte und Museum

Nach dem Teilabriss der Mauer am 17. Juni 1990 entstand auf Initiative des Töpener und damit auch für die bayerische Seite Mödlareuths zuständigen Bürgermeisters Arnold Friedrich die Idee, eine Gedenkstätte und ein Museum in dem als »Little Berlin« bekannt gewordenen Ort zu errichten. Nachdem zunächst ein Arbeitskreis Museum Mödlareuth seine umfangreiche und aufwändige Arbeit bereits kurz nach der Grenzöffnung aufgenommen hatte, erfolgte am 03. September 1990 die Gründung des Vereins »Deutsch-Deutsches Museum Mödlareuth e.V.«

Bereits am 23. Juli 1990 regte der Bayerische Staatsminister des Inneren, Dr. Edmund Stoiber, mit seinem Schreiben an den Bayerischen Ministerpräsidenten, Dr. h.c. Max Streibl, die Errichtung eines Mahnmals an der ehemaligen bayerischen Grenze zur DDR an. In seinem Beschluss vom 16. Oktober 1990 brachte der Ministerrat der Bayerischen Staatsregierung die Auffassung zum Ausdruck, dass an der ehemaligen innerdeutschen Grenze zwischen Bayern, Sachsen und Thüringen eine Gedenkstätte (nach Art eines Freilichtmuseums) zur Erinnerung an die Geschichte der deutschen Teilung geschaffen werden sollte. Mehrere dafür in Frage kommende Standorte wurden im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst von der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen geprüft und Mödlareuth als Standort favoritisiert. Der Bereich um Mödlareuth gehörte von Anfang an zu den sensibelsten Grenzabschnitten der ehemaligen „Staatsgrenze West“ der DDR: Das Dreiländereck DDR/CSSR/BRD, der Grenzbahnhof Gutenfürst, das geteilte Dorf Mödlareuth, die Lederfabrik in Hirschberg, der Grenzübergang Rudolphstein/ Hirschberg, die Papierfabrik Rosenthal in Blankenstein und die Schieferbrüche um Lehesten.

Bereits 1991 erfolgte die investive Förderung des Museums durch den Freistaat Bayern, 1993 schloss sich der Freistaat Thüringen an.

Der Museumsverein übernahm 1995 die Trägerschaft im Rahmen einer öffentlich-rechtlichen Zweckvereinbarung mit dem Bezirk Oberfranken, dem Landkreis Hof, dem Vogtlandkreis, dem Saale-Orla-Kreis, der Gemeinde Töpen und der Stadt Gefell. Nach einem Fachgutachten im Rahmen der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages wurde Mödlareuth 1995 auch in die Gedenkstättenkonzeption des Bundes aufgenommen und seit diesem Zeitpunkt jährlich institutionell gefördert. Die dauerhafte institutionelle Förderung des Freistaates Thüringen erfolgte ab 2005, die des Freistaates Bayern ab 2006.

Am 9. Dezember 2005 wurde der Zweckverband „Deutsch-Deutsches Museum Mödlareuth“ gegründet, dem die Landkreise Hof, Saale-Orla und der Vogtlandkreis sowie die Gemeinde Töpen und die Stadt Gefell angehören. Dieser länderübergreifende Zweckverband übernahm am 1. Januar 2006 die Trägerschaft für das Museum. Der Bund, die beiden Freistaaten Bayern und Thüringen sowie der Bezirk Oberfranken beteiligen sich auch weiterhin an den laufenden Betriebskosten.

Zielsetzung des Museums Mödlareuth ist die Darstellung der Geschichte der deutschen Teilung in ihrer Gesamtheit. Nicht nur Mauer und Stacheldraht, sondern auch die politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und alltagsgeschichtlichen Aspekte dieser Teilung werden thematisiert und neben allgemeinen Einführungen wenn möglich exemplarisch anhand regionaler und lokaler Beispiele erläutert. Der zeitliche Rahmen beginnt 1944/45 mit der Festlegung der Besatzungszonen und dem Ende des Zweiten Weltkrieges und endet mit der Friedlichen Revolution 1989 und der (Wieder-)Vereinigung 1990 und ihren aktuellen Auswirkungen bis in die Gegenwart. Inhaltliche Schwerpunkte bilden dabei die Themenbereiche Sperranlagen, Grenzüberwachungsorgane, Zwangsaussiedlungen, Grenzübergangsstellen, Illegale Grenzübertritte/Flucht, wirtschaftliche/verkehrstechnische Auswirkungen, Alltag an der Grenze sowie Friedliche Revolution und (Wieder-)Vereinigung.

An diesem für die Geschichte der deutschen Teilung bedeutsamen historischen Ort sind Teile der 700m langen Betonsperrmauer, des Metallgitterzaunes sowie der Beobachtungsturm im Original erhalten geblieben. Die heutige Gedenkstätte verfügt über ein Freigelände, einen (Sonder-)Ausstellungsbereich, museumspädagogische Räume sowie eine museale Infrastruktur mit Medienarchiv, Archiv, Bibliothek und Depots und ist auf allen Feldern der klassischen Museumsarbeit (Sammeln, Bewahren, Dokumentieren, Forschen, Vermitteln) tätig. Ihr Zweck besteht darin, ein Zeugnis für die Verbrechen der SED-Diktatur, ein Ort der Erinnerung an die deutsche Teilung und des Gedenkens an deren Opfer sowie ein außerschulischer Lernort für gegenwärtige und zukünftige Generationen im Rahmen der historisch-politischen Bildung darzustellen.

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